WASSER (Hydrotherapie)

Wasser (Hydrotherapie)

 

Grundregeln | Taulaufen | Kaltes Abduschen | Armbad | Knieguss | Augenbad | Sauna


Wasser wird in der Naturheilkunde nach Kneipp in seiner flüssigen Form bei Güssen, Bädern, Wickel und Waschungen, in dampfförmiger Form beim Dampfbad und der Sauna oder in festem Zustand zum Beispiel bei Eis-Auflagen verabreicht. Nicht zu vergessen die innere Anwendung, also das Trinken von Wasser. Es gibt weit über 100 verschiedene Wasseranwendungen, wobei jede einen spezifischen Reiz auf den Körper ausübt und ihn zu positiven und heilenden Reaktionen anregt. Jede Anwendung hat dabei eine spezifische Reizstärke und kann damit auf die individuelle Situation des Einzelnen angepasst werden.

Zur Prävention beim gesunden Menschen sind die folgenden Anwendungen jedoch bedenkenlos zu empfehlen. Sie können von jedem schnell erlernt und vergleichsweise einfach in den Alltag integriert werden. Dabei haben sie gezielte und wissenschaftlich nachgewiesene Wirkungen. Gemeinsam ist ihnen ein spezifisches Maß an Abhärtung, das erworben werden kann. Zusätzlich kann neben den spezifischen Wirkungen auf den jeweiligen behandelten Körperbereich auch eine generalisierte Wirkung für den Gesamtorganismus erzielt und die Anfälligkeit z.B. für Infektionskrankheiten insgesamt gesenkt werden.

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Grundregeln

Bei den kalten Wasseranwendungen treffen wir auf das Problem, dass sich aufgrund teilweise falscher Informationen oder falsch praktizierter Anwendungen zwischenzeitlich Vorurteile gebildet haben, welche die korrekte Anwendung erschweren. Es ist deshalb wichtig, bei allen diesen Anwendungen die folgenden Grundregeln zu beachten:

  1. Kaltwasser-Anwendungen nur bei warmem Körper
  2. Für Wiedererwärmung sorgen
  3. Nach der Kaltwasser-Anwendung sollte der ganze Körper oder das behandelte Körperteil spätestens nach 30 Minuten wieder warm sein
  4. Der kürzeste, noch wirksame Reiz ist der beste und gesündeste
  5. Je kälter das Wasser, desto kürzer der Reiz

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Taulaufen

Dies ist eine einfache Anwendung, die am frühen Morgen nur wenige Minuten in Anspruch nimmt. Der durch das Laufen im kalten taunassen Gras gesetzte Reiz führt zu einer vermehrten Durchblutung der Füße. Dies hat bei regelmäßiger Anwendung eine Stärkung der Abwehrkräfte zur Folge. Außerdem beugt es der vermehrten Schweißbildung an den Füßen vor und ist damit ein gutes Mittel zur Behandlung von Schweißfüßen.

Durchführung:

  • Barfuß durch taunasses Gras laufen (ca. 1 - 3 Minuten). Spätestens wenn sich ein Kälteschmerz oder ein ausgeprägtes Kältegefühl einstellt, sollte die Anwendung jedoch beendet werden
  • Abstreifen der Feuchtigkeit, ggfs. Reinigen der Füße und Aanziehen von Socken und Schuhen
  • Für Wiedererwärmung sorgen

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Kaltes Abduschen

Das kalte Abduschen (entweder separat oder am Ende einer Warmdusche) ist keine klassische Kneippanwendung und ist doch für viele der Einstieg in die positive Erfahrung mit kaltem Wasser. Die positiven Wirkungen sind bekannt und wurden z.B. in einer aktuellen niederländischen Studie mit über 3000 Probanden auch wissenschaftlich nachgewiesen.

Wirkung:

  • Stärkung des Immunsystems
  • Durchblutungsförderung
  • Anregung des Stoffwechsels
  • beugt Krampfadern vor

Durchführung:

  • Der "Kneippianer" empfiehlt, die Anwendung von warmem Wasser immer mit einer kalten Anwendung abzuschließen. Auf das Duschen übertragen bedeutet dies: Sie duschen normal und beenden dies dann mit kaltem Abduschen. Dazu lösen Sie den Duschkopf aus der Halterung und stellen das Wasser auf kalt. Wer noch im "Kaltwasser-Trainingsprozess" ist, der verwendet dabei die Temperatureinstellung, die für ihn noch akzeptabel ist.
  • Beginnen Sie mit dem kalten Abduschen an der Extremität, die am herzfernsten ist, also am rechten Bein. Der Start ist beim Fuß und Sie wandern mit dem Strahl hoch zur Hüfte. Gehen Sie dann zum linken Bein über, danach der rechte Arm (beginnend an der Hand) und dann analog der linke Arm.
  • Darauf ist der Oberkörper und wenn gewünscht auch der Kopf dran, so dass zum Abschluss der ganze Körper kalt abgeduscht ist und sie die positive Wirkung dieser Maßnahme sicher direkt spüren werden.

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Armbad

Es wird wegen seiner belebenden Wirkung auch als der "Kneipp'sche Espresso" bezeichnet. Die Wirkungen gehen aber über einen Espresso hinaus.

Wirkung:

  • Stärkung des Immunsystems
  • Durchblutungsförderung
  • Erfrischung bei Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Schmerzlinderung bei Ellenbogenbeschwerden

Durchführung:

  • Zu Beginn sollten die Arme warm sein; nicht mit kalten Händen ins kalte Wasser.
  • Anwendung idealerweise am späten Vormittag oder frühen Nachmittag
  • Waschbecken oder Armbadewanne mit kaltem Wasser (12 - 18°C) füllen
  • Beide Arme (rechter Arm zuerst) für ca. 15 - 20 Sekunden eintauchen 
  • Während der Anwendung ruhig weiteratmen und lächeln :-)
  • Anschließend das Wasser von den Armen abstreifen und möglichst nicht abtrocknen
  • Für Wiedererwärmung sorgen (Bewegung, Kleidung anziehen).

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Knieguss

Wirkung:

  • Stärkung der Abwehrkräfte und Beckenorgane
  • Verstärkte Durchblutung der Haut und der Muskeln
  • Gefäßtraining für die Venen
  • Senkung des Blutdrucks
  • Ableitende Wirkung auf die inneren Organe
  • Beruhigungs- und Einschlafhilfe

Durchführung:

  • Freimachen der Beine mindestens bis zur Mitte des Oberschenkels.
  • In die Bade- oder Duschwanne stellen; der Duschschlauch mit angeschraubtem Kneipp-Giessrohr oder abgeschraubtem Duschkopf wird mit der rechten Hand geführt.
  • Gießfolge: Der Guss beginnt am rechten Fußrücken; der Wasserstrahl wird von der kleinen Zehe bis zur Ferse geführt, dann an der Außenseite des Unterschenkels bis handbreit über das Knie; dort verweilt man mit dem Schlauch einige Sekunden und fährt mehrmals mit dem Schlauch an der Vorderseite über das Knie hin und her, so dass das Wasser gleichmäßig die Vorderseite des Knies ummantelt; danach das gleiche an der Rückseite des Knies. An der Innenseite des Unterschenkels geht man danach wieder bis zur Ferse und dann zur großen Zehe zurück. Der Guss am linken Bein erfolgt in der gleichen Weise (seitenverkehrt). Zum Abschluss noch jeweils die rechte und die linke Fußsohle abgießen und für Wiedererwärmung sorgen.
  • Achtung: Nur bei warmen Beinen durchführen. Vorsicht bei Nieren- oder Blasenentzündungen!

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Augenbad

Das Augenbad gehört zu den weniger bekannten Kaltwasser-Anwendungen. Kneipp hatte es jedoch insbesondere den Patienten, die viel gelesen haben, immer gerne empfohlen und verordnet. Neben der Förderung der Durchblutung im Augenbereich wird eine gezielte Stärkung des Sehapparates und eine Stärkung der Abwehr gegen Entzündungen erreicht. Das Augenbad kann mehrmals am Tag genommen werden und wird neben den beschriebenen sicher auch eine erfrische Wirkung erzielen.

Durchführung:

  • Füllen einer Schüssel mit kaltem Wasser
  • Eintauchen der Stirn und der Augen (wenn möglich das ganze Gesicht) in das kalte Wasser
  • Öffnen der Augen unter Wasser
  • nach ca. 30 Sekunden Kopf aus dem Wasser heben (so lange, wie die Luft reicht)
  • Pause für ca. eine Minute
  • Erneutes Eintauchen des Gesichts (4-5-fache Wiederholung)
  • Abstreifen des Wassers aus dem Gesicht

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Sauna

Diese Anwendung war zu Kneipps Zeiten noch nicht bekannt und deshalb von ihm auch noch nicht beschrieben und empfohlen. Sie ist auch keine Kalt-Wasser-Anwendung im klassischen Sinne, sondern eine Heißluftanwendung mit dem Wechsel zwischen Überwärmung und Abkühlung. Da der Saunagang jedoch in der Regel mit einer Kaltwasseranwendung (kaltem Bad oder Dusche) beendet wird, kann sie zu den modernen Hydrotherapie-Anwendungen gerechnet werden. Die entspannende und abhärtende Wirkung der Sauna ist jedenfalls durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Deshalb kann der regelmäßige Saunagang auch empfohlen werden. An dieser Stelle soll jedoch nicht näher auf den Saunagang eingegangen werden, da sich im Web genügend Seiten finden, die sich ausführlich und kompetent mit diesem Thema beschäftigen.

"Lernt das Wasser richtig kennen und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein." (Sebastian Kneipp)

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