Lebensbilder der Naturheilkunde nach Kneipp


Hippokrates von Kos
| Christoph Wilhelm Hufeland | Sebastian Kneipp

 

Hippokrates

Hippokrates von Kos

Bei einer Aufzählung der historischen Wurzeln der Naturheilkunde und der Medizin insgesamt kann es keinen anderen Anfang geben als der Verweis auf diesen berühmten Griechen, der vor über 2500 Jahren auf der Insel Kos lebte und als "Vater der Medizin" bezeichnet wird: Hippokrates von Kos. Doch wer war dieser Mann?

Es ist überraschend, wie wenig wir über das Leben eines Mannes, der auch heute noch Einfluss auf unser Verständnis von Medizin hat, tatsächlich wissen. Man findet bei Platon einige Angaben über Hippokrates. Er hat wohl von 460 bis 377 v. Chr. auf der griechischen Insel Kos gelebt. Er wuchs als Sohn eines Arztes auf und erlernte auch selbst diesen Beruf. Dabei hat er auf das griechische, aber auch das babylonische, ägyptische oder indische Wissen in der Medizin zurückgreifen können. Neben seiner umfangreichen Tätigkeit als praktizierender Arzt auf Wanderschaft entwickelte er sich zu einer Art Führer der Ärzteschaft auf Kos, der eine eigene medizinische Schule gründete und leitete. Heute ist insbesondere der "Corpus Hippokraticum", eine Sammlung von Schriften, enthalten. Welche der Schriften nun tatsächlich auf Hippokrates selber und welche auf seine Schüler zurückgehen, kann meist nicht mehr genau bestimmt werden. Da wir es hier jedoch mit einer großen medizinischen Schule zu tun haben, kann man davon ausgehen, dass alle Schriften im Sinne von Hippokrates selber verfasst wurden. Am bekanntesten dürfte wohl heute immer noch der Eid des Hippokrates sein, der in beeindruckender Weise vom hohen ethischen Anspruch der hippokratischen Ärzte zeugt und der auch heute noch als Vorbild für die Ausübung des therapeutischen bzw. ärztlichen Berufes gelten kann.

Ein, wie wir finden interessanter Aspekt soll nicht unerwähnt bleiben. Die damals berühmteste Ärzteschule war die von Knidos. Sie vertrat die Ansicht, dass die Heilkunde ein Zweig wissenschaftlicher Forschung sei. Sie versuchte die Erkenntnis von Krankheiten und der Unterscheidung zu verbessern, vergaß dabei aber wohl oft den Menschen mit seinen seelischen und psychischen Anteilen. Die ärztliche Schule von Kos mit dem Hauptvertreter Hippokrates sah die Heilkunde dagegen als Kunst. Und diese Kunst widmete in der Therapie dem Individuum die größte Aufmerksamkeit. Es wurde also nicht so sehr nach Gemeinsamkeiten in der Krankheit gesucht, sondern mehr auf die individuelle Krankheitssituation geachtet. So kann die Grundannahme und Verständnis der hippokratischen Schule letztlich wie folgt beschrieben werden: Es gibt die Medizin, die sich nach der Krankheit und nicht nach dem kranken Menschen richtet. Sie behandelt verschiedene Menschen bei gleichen Krankheiten auch gleich und beachtet dabei feste Regeln und Gesetze. Der hippokratisch orientierte Arzt kennt zwar auch allgemeine Behandlungsregeln. Er behandelt aber von Fall zu Fall, je nach den im Augenblick vorliegenden Besonderheiten, nach seiner Intuition, eben als Künstler. 

Die Darstellung der speziellen ärztlichen Lehre von Hippokrates deckt sich in weiten Teilen mit dem heutigen Verständnis einer Komplementärmedizin im Sinne einer gegenseitigen Ergänzung von Schulmedizin und Naturheilkunde. Dabei geht schon Hippokrates von einer dem Menschen innewohnenden Lebenskraft aus, die es zu stärken gilt und die eben bei Krankheit geschwächt und im schlimmsten Fall getötet wird. Entsprechend ist diese Lebenskraft das Zentrum der therapeutischen Anstrengungen und alles ist auf eine Verbesserung derselben ausgerichtet. Dieses Verständnis blieb über die Jahrtausende erhalten und prägt bis heute das Verständnis der Naturheilkunde.

Therapeutisch legte die hippokratische Schule großen Wert auf die Ernährung und als Teilaspekt davon das Fasten. Auch Wasseranwendungen bildeten einen Schwerpunkt, und zwar so ausgeprägt, dass man festhalten kann, dass fast alle der heute bekannten Formen von Wasseranwendungen bei Hippokrates zumindest schon in Andeutung vorhanden waren. Auch Ausleitungsverfahren zur Unterstützung der Ausscheidungs- und Entgiftungsfunktion von Leber und Niere waren wichtig, so z.B. Schwitzkuren oder Öleinreibungen; auch das Schröpfen war schon bekannt. Aderlässe und die Gabe von Brech- bzw. Abführmitteln ergänzten diese Maßnahmen. Es ist schon erstaunlich, wie modern diese Maßnahmen im Angesicht der heutigen modernen Naturheilkunde erscheinen. Jedoch, um dies nochmals zu betonen: Man würde Hippokrates sicher nicht gerecht, wenn man sich in seinem Namen gegen die Schulmedizin und für die Naturheilkunde entscheiden würde. In seinem Sinne kann es hier nur eine Synthese zwischen beiden Richtungen geben im Sinne von: "Es gibt nicht Schulmedizin und Naturheilkunde, sondern nur gute und schlechte Medizin!"

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Hufeland

Christoph Wilhelm Hufeland

Sucht man in der deutschen Medizingeschichte nach einem Sinnbild für einen weisen und gütigen Hausarzt, der über die Sorge und den Körper auch am allgemeinen Ergehen teilhatte, so hat man dieses ganz sicher in Hufeland gefunden. Wir haben es hier mit einem zu seiner Zeit sehr einflussreichen Arzt zu tun, dessen Einfluss selbst heute noch über die nach ihm benannte Hufeland-Gesellschaft weiterbesteht.

Hufeland wurde 1762 in Langensalza in Thüringen geboren. Sowohl sein Großvater als auch sein Vater waren Ärzte, so dass es vorgezeichnet war, dass auch er diesen Berufsweg einschlug. Nach seinem Medizinstudium in Jena und Göttingen übernahm er die Praxis seines zunehmend erblindenden Vaters und wurde von diesem in die praktische ärztliche Tätigkeit sowohl in Weimar als auch im umgebenden Land eingeführt. In dieser Zeit konnte er unter anderem Goethe, Schiller und Herder als seine Patienten bezeichnen. In dieser Zeit wurde auf Anregung Hufelands das erste deutsche Leichenschauhaus in Weimar gebaut. Hierbei wurde schon eines der Generalthemen Hufelands sichtbar, der sich mit den Bedingungen für ein langes und gesundes Leben und wiederum in diesem Rahmen mit der Gefahr des Scheintodes, die damals noch wesentlich präsenter war, beschäftigte.

Nach Weimar wechselte Hufeland für eine Jahre als Professor nach Jena, wo er sich weiterhin in der medizinischen Forschung einen Namen machte und unter den medizinischen Studenten sehr beliebt war. Dieser zwischenzeitlich exzellente Ruf von Hufeland führte dazu, dass er als königlicher Leibarzt an den Hof nach Berlin zu Friedrich Wilhelm II gerufen wurde. Dort war er auch gleichzeitig ärztlicher Direktor an der Charité. Sein ihn stets auszeichnender Fleiß wurde z.B. daran sichtbar, dass er neben seinem Lehramt noch täglich ungefähr 7 Stunden Hausbesuche bei Kranken machte. In Berlin war er an den preußischen Reformen in seinem Fachbereich wesentlich beteiligt und kann deshalb zurecht als Sozialreformer und Sozialhygieniker bezeichnet werden. Die Armenfürsorge war ein besonderes Anliegen von ihm. Er sorgte für die Einführung der Pockenschutzimpfung und hatte damit wesentlichen Einfluss auf die Eindämmung dieser Erkrankung. Er nahm auch eine wesentliche Rolle bei der Gründung der Universität in Berlin ein.

Hufelands medizinisches Grundverständnis beruhte wie bei Hippokrates auf der Annahme einer Lebenskraft. Darunter verstand er die Dynamik des menschlichen Organismus zur Selbsterhaltung. Er war ein Verfechter einer sanften Behandlung im Gegensatz zu einer „heroischen Medizin“, die viele seiner Kollegen zu der Zeit praktizierten. Dabei sprach er sich für eine Nutzung der Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und Anwendung von Diätetik und physikalischer Therapie aus. Mit diesem Verständnis und seiner glaubwürdigen und überzeugenden Persönlichkeit hatte er großen Einfluss auf die Naturheilkunde ab dem 19. Jahrhundert und er kann wohl zurecht als einer der Stammväter der Naturheilkunde angesehen werden.

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Kneipp

Sebastian Kneipp

 Kindheit | Theologiestudium | Bad Wörishofen | Höhepunkte seines Schaffens | Letzte Jahre

Kindheit

Sebastian Kneipp erblickte am 17. Mai 1821 in Stephansried im bayrischen Unterallgäu das Licht der Welt. Er wuchs gemeinsam mit seinen Schwestern in ärmlichen Verhältnisse auf. Seine Kindheit war von Verzicht und Mangel geprägt. Deshalb musste er auch schon früh seinem Vater beim Weben oder den Bauern im Dorf als Viehhirte helfen. Sein späterer Werdegang war in seiner Kindheit keineswegs vorgezeichnet. Aber die selbst erlittene Armut schenkte ihm Zeit seines Lebens ein Herz und tiefes Verständnis für die Nöte der Armen. 

Sebastian besuchte die Dorfschule und arbeitete in seiner freien Zeit als Viehhirte, was er genoss und ihm geistig und körperlich gut getan hat. Sein Wunsch, das Gymnasiums zu besuchen, war ihm erst nicht vergönnt, da er seinem Vater bei seiner Webtätigkeit helfen musste und wenig Geld da war. Der Webstuhl des Vaters stand im Keller und die Luft in diesem Raum war feucht und stickig. Mit dieser Arbeit wurde vermutlich die Grundlage für die Krankheit gelegt, die einige Jahre später beinahe zum Tod von "Baschtl", wie er damals genannt wurde, geführt hatte: der Schwindsucht oder Tuberkulose.

Sebastian war fleißig und er sparte kräftig, um doch noch das Abitur machen zu können. Als aber sein Elternhaus mitsamt seinen ganzen Ersparnissen abbrannte, verließ er mit 21 Jahren seinen Heimatort und zog nach Grönenbach zu einem Verwandten. Bei ihm konnte er Latein lernen, so dass er mit 23 Jahren dann doch noch auf das Gymnasium nach Dillingen gehen konnte. Mit viel Einsatz und einem beinahe unbändigen Willen sowie dem Glauben daran, dass dies sein persönlicher Weg ist, hatte sich der Webersjunge die Voraussetzungen für das Gymnasium und damit für das Theologiestudium erarbeitet. 

Theologiestudium

Kaum auf dem Gymnasium, kam aber der nächste Rückschlag. Kneipp erkrankte an Tuberkulose und es bedufte auch hier wieder seines eisernen Willens, um trotz des sich verschlechternden Zustandes doch noch das Abitur zu machen. Aber er schaffte sowohl das Abitur als auch die Aufnahmeprüfung zum Theologiestudium. Das Studium stand in den ersten Jahren jedoch ganz unter den Zeichen der Krankheit. Im ersten Jahr verschlechterte sich sein Gesundheitszustand derart, dass er sich darauf einstellte, dass er wohl sterben müsse. Da entdeckte er ein Buch von Dr. Johann Siegmund Hahn, in dem dieser über die Heilkraft des Wassers berichtete. Dieses Buch bewegte Kneipp dazu, dass er mehrere Male zu Fuß zu der eiskalten winterlichen Donau wanderte und dort badete. Diese Rosskur stärkte tatsächlich seine Abwehrkräfte und führte dazu, dass das Blutspucken innerhalb weniger Wochen aufhörte und er nach einem halben Jahr geheilt war. Ab diesem Zeitpunkt konnte sich Kneipp wieder ungehindert seinem Studium widmen und beendete sein Studium mit der Priesterweihe in Augsburg. Sein großer Traum ging in Erfüllung! 

Nun nahm Kneipp seine ersten Stellen als Kaplan ein, unter anderem in einem Ort mit Namen Boos. Dort erwarb er sich den Namen "Cholera-Kaplan", weil er neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit als Priester auch als Helfer für den Körper aktiv war und Cholerakranke durch Wasseranwendungen, Wickel und Heilpflanzen zur körperlichen Genesung verhalf. Von dort wurde Kneipp über einen Umweg in das Dorf versetzt, in dem er bis zu seinem Tod bleiben sollte. 

Bad Wörishofen

Die häufigen therapeutischen Aktivitäten von Kneipp hatten nicht die Zustimmung der Kirche gefunden. Es wurde mehrmals von ihm verlangt, sich auf seine Tätigkeit als Priester und Seelsorger zu konzentrieren und "das Kurieren den Ärzten zu überlassen". Jedoch kamen immer wieder Hilfesuchende zu ihm, denen er die Hilfe nicht abschlagen wollte. So wurde er schließlich 1855 nach Wörishofen strafversetzt. Man nahm seitens der Kirche an, dass ihn die Strafversetzung in dieses Bauerndorf als Beichtvater der Dominikanerinnen zur Räson bringen würde. Eine Täuschung, wie sich schnell herausstellen sollte.

Nicht, dass dort seine Tätigkeit als Therapeut im Vordergrund stand. Er war tatsächlich zuallererst Priester und Seelsorger im Kloster. Gleichzeitig war er als Erneuerer der klösterlichen Landwirtschaft aktiv und konnte sich mit seinen Erfolgen in diesem Bereich den Respekt der Bauern erarbeiten. Aber auch in Wörishofen war es so, dass sich seine Kenntnisse und Fähigkeiten bei der Linderung und Heilung von Krankheiten im Ort und weit darüber hinaus herumsprachen und nach und nach immer mehr Menschen zu ihm kamen, um Hilfe für ihre kranken Körper zu erfahren. Obwohl er wusste, dass die Kirche diesem Tun ablehnend gegenüberstand, konnte er es doch aus Barmherzigkeit nicht übers Herz bringen, die Armen, die sich keine medizinische Hilfe leisten konnte und solche, die von den Ärzten aufgegeben waren, abzuweisen. Und nicht weniger wichtig war, dass die Nonnen ihn unterstützten. Es war tätige Nächstenliebe, die da im Badehäuschen der Dominikanerinnen und in der Sprechstunde von Kneipp geleistet wurden.

So entwickelte sich Wörishofen über mehrere Jahre hinweg und gegen die Widerstände zahlreicher Bewohner des Dorfes immer mehr zu einem deutschen Mekka der Wasserkur und zu einem Kurort. Dies rief auch Neider und Gegner von Kneipp auf den Plan und Kneipp musste sich mehrmals mit dem Vorwurf der Kurpfuscherei auseinandersetzen. Kneipp litt sehr unter diesem Vorwurf, obwohl er ihn jedes Mal glaubhaft widerlegen konnte. Endgültig entkräften konnte er diesen Vorwurf erst durch die Zusammenarbeit mit Ärzten in dem Sinne, dass er zur Diagnosestellung in seiner Sprechstunde eine ärztliche Zweitmeinung einholte. Nicht, dass Kneipp dieser Hilfe wirklich bedurft hätte. Er hätte dies vermutlich auch allein gekonnt. Aber nur so konnte er sich vor den weiteren Angriffen der sogenannten Schulmedizin schützen - ein kluger Schachzug, wie sich zeigen sollte.

Während um 1880 schon beinahe 5000 Kurgäste jährlich nach Wörishofen zur Kur kamen, entschloss sich Kneipp, sein umfangreiches Wissen in Buchform niederzulegen. Dies ursprünglich mit dem Ziel, es Laien zu ermöglichen, die Wasserkur anhand des Buches selbst durchzuführen und damit Wörishofen zu entlasten Das ging jedoch gründlich schief. Kneipp wurde durch seine Bücher und dann durch seine darauf folgenden Vortragsreisen nur noch berühmter und Wörishofen als Kurort noch beliebter.

Sein erstes und bekanntestes Buch ist "Die Wasserkur". Hier beschrieb er die Grundlagen seiner therapeutischen Tätigkeit. Ergänzt wurde dieses Buch dann durch "So sollt ihr leben", indem er insbesondere das 5. Element seines Naturheilverfahren, den Lebensstil, betonte und Themen wie Landflucht oder Empfehlungen zur Kleiderordnung und Wohnung etc. behandelte. Dieses Buch belegt auch eindrucksvoll den ganzheitlichen Ansatz, den Kneipp vertrat. 

Höhepunkte seines Schaffens

Anfang 1890 wurden in Wörishofen endgültig die Weichen des Wandels vom Bauerndorf zum Weltkurort gestellt. Diesen örtlichen Wandel unterstützte Kneipp noch dadurch, dass er das insbesondere durch seine schriftstellerische Arbeit und Vortragsreisen erworbenes Vermögen in den Bau von Sanatorien investierte, so in die Kinderheilanstalt, das Sebastianeum und das Kneippianum. Insbesondere der Bau der Kinderheilanstalt lag ihm dabei besonders auf dem Herzen. Dorthin ging er oft am Abschluss eines Tages, um den Kindern einen Besuch abzustatten und sich unter anderem die Theaterspiele der Kinder vorführen zu lassen, die er immer sehr genoss. 

Kneipp begann in seinen letzten Jahren in Wörishofen, regelmäßig Gesundheitsvorträge für die Kurgäste zu halten. Hier sprach er verschiedenste Themen rund um Gesundheit und Krankheit an. Diese Vorträge waren immer gut besucht und Kneipp ließ extra eine Halle bauen, um dort auch bei Wind und Regen seine Vorträge halten zu können.

In diesen Zeitraum fällt auch der Beginn der Tätigkeit von Dr. Baumgarten in Wörishofen. Er wurde als Badearzt mit festem Gehalt und der Verpflichtung, arme Patienten kostenlos zu behandeln, eingestellt. Dr. Baumgarten war eine große Unterstützung für Kneipp und entwickelte sich schnell zu seinem Nachfolger. Insbesondere nach dem Tode von Kneipp hat er das Kneipp'sche Heilverfahren gegen viele Widerstände verteidigt und dazu beigetragen, dieses auch wissenschaftlich zu belegen.

Nicht spannungsfrei war das Verhältnis von Dr. Baumgarten zu Prior Reile von den Barmherzigen Brüder. Die Barmherzigen Brüder waren von der katholischen Kirche zur Unterstützung von Kneipp nach Wörishofen gesandt worden. Reile nahm als Krankenpfleger an den Sprechstunden von Kneipp teil und unterstützte ihn. Es entwickelte sich leider eine gewisse Rivalität zwischen Baumgarten und Reile. Im weiteren Sinne war dies ein Spiegelbild der Rivalität zwischen der Laienbewegung und der Schulmedizin. Diese Rivalität wurde jedoch auch aufgrund der zum Schluss seines Lebens eindeutigen Positionierung von Kneipp zugunsten der Schulmedizin aufgelöst. Trotzdem ist diese Rivalität zwischen Laienbewegung und Schulmedizin bis heute auch bei den Anhängern des Kneipp'schen Naturheilverfahrens latent vorhanden. Diese wurde erst dadurch etwas befriedet, als die Möglichkeit zur Ausbildung als Heilpraktiker die Erlaubnis zur Anwendung von Kneipp'schen Anwendungen für Nicht-Ärzte ermöglichte. 

Kneipp jedenfalls erlebte in seinen letzten Jahren einen weiteren deutlichen Aufschwung des Kurwesens in Wörishofen. Bis zu 30.000 Kurgäste pro Jahr fanden den Weg nach Wörishofen. Dass dieser Erfolg auch Neider und kritische Pressestimmen hervorgerufen hat, war zu erwarten gewesen und ist auch tatsächlich so eingetroffen. Aber Kneipp konnte dies nicht mehr aus der Fassung bringen. Er hatte bei einer persönlichen Audienz den Segen seines höchsten Dienstherrn, des Papstes (Leo XIII) erhalten und konnte damit endlich persönlichen Frieden mit seiner Doppeltätigkeit als Priester und Therapeut schließen. Die langen Jahre des Hin- und Her-Geworfenseins zwischen den Ansprüchen und Erwartungen der Kirche und seiner persönlichen Überzeugung hatten ein glückliches Ende genommen

Letzte Jahre

Kneipp erkrankte in den letzten Jahren an einem Tumor des Unterleibes, wohl einem Darmtumor. Kneipp war so fest von seinem Heilverfahren überzeugt, dass er längere Zeit glaubte, sich selbst heilen zu können. Dies war jedoch leider ein Trugschluss, so dass er im Alter von 76 Jahren starb, einem hohen Alter zur damaligen Zeit. Unter großer und zahlreicher Teilnahme wurde er in Wörishofen beerdigt. Ein einflussreiches und bewegtes Leben war zu Ende gegangen. Aber: Es wirkt noch heute nach! 

P.S. Der Film "Der Wasserdoktor" mit Carl Wery und Paul Hörbiger gibt einen humorvollen Einblick in den Höhepunkt des Schaffens von Sebastian Kneipp in Bad Wörishofen. Während sich der Film nicht immer an den historischen Realitäten orientiert, wird der Charakter und die Person von Kneipp durch Carl Wery doch überzeugend und authentisch dargestellt: Ein Mann mit Ecken und Kanten, aber tiefgläubig und mit einem großen Herzen! 

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